Stellungnahme, 20. Juli 2014

Wir forschen als Wissenschaftler an der Aufklärung von Hintergründen, Wechselwirkungen und Entwicklungsperspektiven des Sports. Dabei fokussieren wir vor allem gesellschaftliche Phänomene und Problemlagen, die wir theorie- und faktengeleitet hinterfragen, beleuchten und modellieren.

Im Feld der Fankulturforschung sehen wir besonderen Handlungsbedarf. Im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Handlungsfeldern kursieren hier im öffentlichen, medial inszenierten und politischen Diskurs immer wieder Positionen, die sich auf Pauschalisierungen, Alltagstheorien, Vorurteilen und sogar Verschwörungstheorien stützen. In der Konsequenz werden zuweilen die Prinzipien unserer Rechtsstaatlichkeit, Kommunikations- und Streitkultur, aber auch die Idee des sportbezogenen Fairplay und des kollegialen Miteinanders auf die Probe gestellt.

Neben der anspruchsvollen theoretischen und empirischen Arbeit bilden das Herstellen von Transparenz und die Praxis offener und seriöser Recherche zentrale Eckpfeiler unseres Selbstverständnisses.

Im Feld der auf den Fußball bezogenen Fankultur, in dem immer wieder spekulative Geschichten und Sensationen konstruiert werden und die betroffenen Akteure (v.a. Fans, Fußballspieler, Polizisten, Funktionäre, Unternehmer und Politiker) regelmäßig Gefahr laufen, als Gruppe oder Einzelperson öffentlich diskreditiert zu werden, halten wir die faktenbasierte Argumentation für unverzichtbar.

Einer der Mitbegründer unseres Instituts steht gegenwärtig im Fokus der öffentlichen Diskussion. Dr. Martin Thein hat in den ersten Gründungsmonaten (Januar 2012 bis Mai 2012) ehrenamtlich bei uns mitgearbeitet. Er ist dann an eine andere Universität und Forschergruppe gewechselt. Die seit mehr als zwei Jahren andauernde Aufbauphase des Instituts für Fankultur (Konzeption und Durchführung von Projekten, interdisziplinäre Seminare, Durchführung von Promotions- und Habilitationsprojekten) wird von anderen Forschern getragen; von Kollegen, die seither auf unserer Homepage transparent gemacht sind.

Dessen ungeachtet schätze ich die wissenschaftlichen Leistungen von Herrn Dr. Thein und die von ihm ausgehenden Impulse für die Fankulturforschung sehr. Auch deshalb bin ich gerade im vorliegenden Kontext an einer faktenbasierten Erörterung interessiert. Die Idee, der Verfassungsschutz würde Wissenschaftler und wissenschaftliche Einrichtungen unterwandern wollen, halte ich vorerst für skurril. Angesichts der Tragweite derartiger Gerüchte erscheint das Ausweiten des spekulativen Diskurses um dieses Thema als kontraproduktiv. Belast- und prüfbare Aussagen, Dokumente und Fakten zu diesem Themenkomplex wären – ebenso wie zu allen anderen von uns beforschten Phänomenen und Problemlagen der Fankultur – unverzichtbare Voraussetzung für qualifizierte Äußerungen.

 

Prof. Dr. disc. pol. Harald Lange

Würzburg, am 20. Juli 2014